Glaube ist Privatsache
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Jeder Mensch darf glauben oder auch nicht glauben, was immer er will. Kein Mensch darf zu einem Glauben gezwungen werden. Auch wenn Du in einem christlichen, islamischen, jüdischen, buddhistischen, taoistischen, hinduistischen, … Elternhaus aufwächst, darfst Du Dir trotzdem Deinen eigenen Glauben oder Nichtglauben frei aussuchen. Und es ist ebenso richtig, keinen Glauben zu haben.

Mit 16 Jahren hast Du die religiöse Mündigkeit erreicht. Damit darfst Du Deine Religion wechseln, oder auch ganz ablegen, mit 16 entscheidest Du allein, ob Du religiösen Unterricht, eine Kirche, eine Moschee oder einen Tempel besuchen willst, und Du darfst mit 16 zum Beispiel auch aus der Kirche austreten.

Weil jeder Mensch in seinem Glauben und Nichtglauben frei ist, wirst Du mit den Argumenten eines Glaubens Deine Mitmenschen eines anderen Glaubens niemals überzeugen können. Unsere gemeinsame offene Gesellschaft kann daher nicht auf einem Glauben basieren, und somit ist Glaube Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit.

6 Antworten zu “Glaube ist Privatsache”

  1. Oma Haller sagt:

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    Was für eine Doppelmoral. Weshalb missioniert ihr dann für euren Freidenker-Glauben mit Plakaten in der Öffentlichkeit? Erstens habt ihr, gemäss eurer Überzeugung, niemanden zu überzeugen und zweitens erst recht nicht in der Öffentlichkeit. Aber genau das tut ihr. Und ja, euer „freies“ Denken ist genauso auf gewisse Grundannahmen gegründet, die nur geglaubt werden können… =)

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      Freidenker haben keinen Glauben. Wir wollen zum Nachdenken anregen, was uns offensichtlich gelingt. Was wir erreichen wollen, ist eine gesellschaftliche Diskussion über gemeinsamen Werte der offenen Gesellschaft. Wir wollen dem grasierendenExtremismus und Fundamentalismus positive Werte entgegen halten. Wir finden es sehr schade, dass Winterthur mit Sekten und Islamismus Schlagzeilen macht. Unsere liberale humanistische offene Gesellschaft hat für alle viel zu bieten. Jeder darf sich so entfalten, wie es ihm gefällt, jeder hat ein Anrecht auf ein selbstbestimmtes Leben.

  2. Stefan sagt:

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    Liebe FreidenkerInnen

    Heute habe ich euer Plakat gelesen. Obwohl ich mich durch den zweifachen Imperativ (sei frei, denk nach) ein wenig unfrei fühlte, habe ich diesen Widerspruch als Paradox aufgenommen (noch schöner ist: „Verbieten ist verboten!“) und nachgedacht:

    Selbstverständlich werden religiöse Überzeugungen nicht von allen geteilt. Auch sind sie nicht immer (manchmal aber schon) einem argumentativen Diskurs zugänglich. Doch welche Überzeugung wird schon von allen geteilt? Ein Beispiel: Muss sich der FC Winterthur aus der Öffentlichkeit zurückziehen, weil manche Fans für den FCZ sind?

    Das Beispiel zeigt: Eure strikte Unterscheidung zwischen Öffentlichem und Privatem ist etwas gar plump und benötigt der Differenzierung. Eine politische Konsensfindung ist per se ausgeschlossen, wenn als Grundbedingung von Vornherein Überzeugungen schon von allen geteilt werden müssen, um überhaupt in den Bereich des Öffentlichen zu gehören.
    Implizit scheint ihr dieses Problem erkannt zu haben. In der Kommentarantwort spricht sich Marc Wäckerlin für eine humanistische, offene Gesellschaft aus. Dies aber gerade nicht, weil diese Überzeugungen von allen geteilt würden (deswegen benötigen sie ja der Fürsprache), sondern er (und auch ich) ihre Vorteile schätzt. Ein Beispiel: Die Freiheit des Einzelnen und der Schutz des Eigentums werden nicht von allen befürwortet (z.B. von Totalitaristen oder Dieben), trotzdem setzen wir (Marc Wäckerlin und ich) uns für sie ein als (Teil der) Grundlage unserer Gesellschaft. Das verdeutlicht: mit einer strikten und undurchdachten Unterscheidung zwischen Öffentlichem und Privatem lässt sich das Problem nicht lösen.

    Ich habe irgendwo auf eurer Homepage gelesen, dass ihr euch an Anlässen mit Philosophen beschäftigt. Eine Literaturempfehlung: Charles Taylor, Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung. Sie hilft beim Nachdenken.

    Freundliche Grüsse
    Stefan

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      Die Antwort steht bereits im Text oben: «Weil jeder Mensch in seinem Glauben und Nichtglauben frei ist, wirst Du mit den Argumenten eines Glaubens Deine Mitmenschen eines anderen Glaubens niemals überzeugen können. Unsere gemeinsame offene Gesellschaft kann daher nicht auf einem Glauben basieren, und somit ist Glaube Privatsache und gehört nicht in die Öffentlichkeit.»

      • Stefan sagt:

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        Nun ja, diese Argumentation hinkt, wie oben genannte Beispiele (FC Winterthur; Einsatz für eine humanistische, offene Gesellschaft) zeigen. Konkret hinkt sie u.a. an folgendem Punkten:

        Sie suggeriert als ginge es in der Öffentlichkeit ausschliesslich darum, Mitmenschen mit Argumenten zu „überzeugen“. Doch das öffentliche Leben ist weit vielfältiger: Es beinhaltet auch den Austausch von Ansichten (u.a. Glaubensansichten, aber auch Ansichten zur humanistischen und offenen Gesellschaft), und dies manchmal bloss zur Horizonterweiterung, da die Auseinandersetzung mit Ansichten von Mitmenschen zu erfrischend neuen Perspektiven führen können.
        An einem öffentlichen Rockkonzert oder an einem Spiel des FC Winterthur geht es nun wirklich nicht darum Mitmenschen mit Argumenten zu überzeugen (wenn schon mit guter Musik oder schönen Toren). Trotzdem (und auch wenn es Leute gibt, die Rockmusik nicht mögen oder Fussball langweilig finden) sind beide Veranstaltungen Bereicherungen des öffentlichen Lebens, die unbedingt in unserer offenen, freien Gesellschaft Platz haben müssen.
        Auch über religiösen Glauben kann öffentlich gesprochen werden, selbstverständlich respektvoll und ohne den Mitmenschen den eigenen Glauben aufzuzwingen. So wie auch niemand dazu gezwungen wird Fan des FC Winterthur zu sein.

        Liebe Grüsse und viel Spass beim Nachdenken und Differenzieren
        Stefan

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          Wenn nicht aggressiv missioniert würde, und wenn Religion nicht privilegiert würde, hätte ich nichts gegen einen freiwilligen Austausch. Letztlich bleibt Glaube aber Privatsache. Im öffentlichen Raum (ausserhalb von Privatgrund) haben religiöse Symbole zum Beispiel nichts zu suchen. Angestellte des öffentlichen Dienstes haben religiös (und politisch) neutral aufzutreten. Und so weiter. Das ist gemeint.

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